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Evi Steiner-Böhm

Jahrgang 1956, Mutter von vier Söhnen, war Gymnasiallehrerin und ist seit 1996 selbständige Künstlerin. Sie lebt und arbeitet heute auf dem Wunderhof in Eckertsfeld (Landkreis Amberg-Sulzbach), einem zauberhaften Ort, der ihr eine stete Quelle der Inspiration für Bilder und Geschichten ist. Ihr Metier ist das Märchen, und damit entführt sie Kinder und Erwachsene in die Welt der Phantasie, wo alle Träume geboren werden.

Warum Märchen?
Märchen gehören zu den ältesten Textgattungen und finden sich in allen Kulturen. Ursprünglich wurden sie ausschließlich mündlich weitergetragen, erst mit der Erfindung des Buchdrucks konnten sie auch in schriftlicher Form festgehalten werden.
Im Mittelpunkt von Märchen stehen meist ein oder mehrere HeldInnen, die, scheinbar schwach oder unwissend, sich in der Auseinandersetzung mit bösen oder übernatürlichen Kräften bewähren müssen.
Am Ende siegt immer das Gute und der Held oder die Heldin werden belohnt.



Der Fuchs und die kleine Fee
ist die Geschichte von zwei unterschiedlichen Waldwesen, die sich begegnen und - weil sie zu unterschiedliche Vorstellungen vom Zusammenleben haben - wieder verlieren. Auf sich gestellt lernen beide ihre eigenen Stärken und Schwächen kennen. Durch ihre Erlebnisse gereift, treffen sie am Ende einander wieder.


Leseprobe:
„Die kleine Fee war glücklich. Jeder Tag schien ihr wie ein großes Wunder. Wenn sie am Morgen aufwachte, hörte sie die Vögel im Wald zwitschern, und der Wind fuhr mit einem leisen Singen durch die Bäume. Nach dem Aufstehen ging sie als Erstes hinaus vor die Tür und begrüßte alle ihre Freunde. „Guten Morgen“, sagte sie zu der großen Linde, in der sich ihr Haus befand. „Guten Morgen, kleine Fee, ich bin immer da für dich“, knarrte der alte Baum freundlich.

„Guten Morgen, ihr Blumen!“, rief sie den Blumen in ihrem kleinen Garten zu. „Guten Morgen, kleine Fee, schön dich zu sehen“, lispelten die Blumen. Alle Wesen des Waldes wurden so begrüßt und gaben den Gruß liebevoll zurück. Und weil die kleine Fee so glücklich war, leuchtete ihr Feenkleid ganz hell. Aber etwas machte ihr Kopfzerbrechen. Warum nur war der Fuchs weggelaufen? Sie grübelte und grübelte. Sie erinnerte sich an seine schönen Augen und meinte Einsamkeit und eine tiefe Traurigkeit darin gelesen zu haben. Aber das konnte doch nicht sein, oder? Schließlich hatte er seine Familie, oder etwa nicht? Vielleicht sollte sie ihm einfach mal etwas Kuchen auf die Fensterbank stellen, damit er wüsste, dass sie ihm nicht böse war?“